| Die
Schmerzerkennung bei Tieren
Ob ein Tier Schmerzen hat, ist nur schwer festzustellen,
denn Tiere verhalten sich anders als Menschen, wenn
sie unter Schmerzen leiden.
Schmerztherapeuten sind jedenfalls der Ansicht, dass
auch Tiere Schmerzen empfinden. Natürlich gibt
es Tiere, die durch Wimmern oder ungewöhnliches
Verhalten signalisieren, dass mit ihnen etwas nicht
stimmt. Das Tier kann jedoch, anders als der Mensch,
nicht befragt werden.
"Tiere neigen bei Schmerzen zur Tapferkeit,
denn wären sie so wehleidig wie der Mensch, könnten
sie in freier Wildbahn nicht überleben"
Detaillierte Info
- Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz
Ein Fachartikel der Veterinärmedizin für die
Veterinärmedizin.
Erstellen Sie keine Selbstdiagnose! Dichten Sie Ihrem
Haustier keine Krankheiten an !
Für eine genaue Diagnose und Behandlung ist Ihr
Tierarzt zuständig !
Sie als Tierhalter kennen Ihr Haustier am besten.
Verhaltensauffälligkeiten bemerken Sie zuerst.
Tierärzte sind auf ihre Information angewiesen.
Die Lebenserwartung unserer Hunde ist gestiegen.
Definition und Klassifikation
von Schmerz
Der Umgang mit dem Tier macht es unabdingbar, daß
wir uns als verantwortungsbewußte Tierhalter,
Tierzüchter,Tierärzte und als Wissenschaftler
mit dem Thema "Schmerz beim Tier" befassen.Die
Komplexität von Schmerz wird deutlich in der Definition,
die die internationale Gesellschaft zum Studium des
Schmerzes hat erarbeiten lassen: "Schmerz ist eine
unangenehme sensorische oder emotionale Erfahrung, verbunden
mit akuter oder potentieller Schädigung eines Gewebes,
oder Schmerz wird als solche empfunden." Schmerz
kann demnach mit einer Gewebsschädigung verbunden
sein, muß es jedoch nicht notwendigerweise. Diese
Definition schließt ebenso ein, daß die
subjektive,unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung
des Tieres niemals durch den Beobachter vollständig
nachvollzogen werden kann. Dies gilt auch, wenn wir
beim Tier (Zimmermann, 1986) nur die sensorische Erfahrung
betrachten. Der Beobachter kann somit Schmerz nur an
den eventuelle auftretenden Folgereaktionen des Tieres
beurteilen.
Wie kommt es zu einer
sensorischen Erfahrung ?
Zunächst
muß der Organismus von einem Reiz, der irgendwo
peripher eventuell eine Schädigung verursachen
kann, eine Information bekommen. Der Reiz muß
umgesetzt werden in weiterleitbare Informationen in
Form von Nervenimpulsen. Es findet eine sogenannte Nozizeption
statt. Diese Nozizeption ist notwendig, aber nicht hinreichend,
um Schmerz auszulösen. Je nach Organ und Tierspezies
gibt es unterschiedliche Wege und anatomische Strukturen,
über die eine Nozizeption und eine Weiterleitung
der Impulse zum Gehirn erfolgen kann.Die minimale Energie,
die ein Reiz haben muß, um eine Nozizeption auszulösen,
wird als Nozizeptorschwelle bezeichnet.
Dieser Schwellenwert
ist für Tiere und Menschen etwa gleich hoch.
Sollen die Impulse als Schmerz erkannt werden, müssen
sie eine bestimmte Intensität übersteigen,
die sogenannte Schmerzerkennungsschwelle. Auch diese
Grenze ist zwischen den Individuen relativ konstant.
Die Grenze, an der der Mensch oder das Tier versuchen,
die Reizaufnahme zu beenden, die Toleranzschwelle oder
auch Schmerztoleranzschwelle, ist hingegen zwischen
den Individuen recht unterschiedlich. Sie kann auch
bei demselben Individuum - z.B. durch Stimmungslagen
- Veränderungen unterworfen sein.
Für den Beobachter
wird der Schmerz eines Tieres häufig erst ab diesem
Schwellenwert erkennbar.
Schmerzzustände lassen sich nach dem Ort der Entstehung
in einen kutanen Oberflächenschmerz, sowie einen
Tiefenschmerz, den tief somatischen und visceralen Schmerz
klassifizieren. Der Oberflächenschmerz kann in
einer ersten Phase scharf und stechend sein, während
er in einer zweiten Phase mehr einen brennenden Charakter
hat.
Eine Schmerzdifferenzierung
ist auch möglich bezüglich der zeitlichen
Dauer eines Schmerzzustandes Der akute
Schmerz, auch phasische Schmerz genannt, ist meist mit
einer faßbaren Gewebeschädigung verknüpft
und wird durch Vermeidungsreaktion der Tiere sichtbar.
Der chronische Schmerz, auch als tonischer Schmerz bezeichnet,
kann Monate oder Jahre andauern und wird gewöhnlich
durch verminderte Aktivität oder depressives Verhalten
erkennbar.
Die Existenz von Schmerzzuständen
beim Tier
Obwohl uns Tiere nicht wie Menschen ihren Schmerz beschreiben
können, vermögen wir trotzdem anhand von Beobachtungen
des Verhaltens und physiologischer Reaktionen Schmerzzustände
zu erfassen. Das Wissen über Schmerz bei Tieren
ist Wissen durch Beschreibung, basierend auf Erkenntnissen
der vergleichenden Anatomie, Physiologie und Psychologie.
Dieses Wissen läßt
uns beim Tier dem Menschen ähnliche Schmerzzustände
annehmen. Sieht man von den Primaten
ab, so sind die speziesspezifischen Unterschiede der
Leidensfähigkeit der von uns als Haus- und Nutztiere
gehaltenen Säugetiere gegenüber den Unsicherheiten
unserer Erkennungsmethoden zu vernachlässigen.
Derart angeführte Unterschiede dürften überwiegend
in der Subjektivität des Untersuchers begründet
sein. Sehr kritisch betrachtet werden muß auch
die häufig beschriebene und in das Tierschutzgesetz
eingeflossene wesentlich geringere Schmerzempfindlichkeit
bei Jungtieren.
Erkennung von Schmerzzuständen
Die wichtigsten Erkenntnisse werden durch Beobachtung
der Tiere gewonnen. Diese Beobachtung sollte zunächst
für das Tier nicht erkennbar erofolgen. Beurteilt
werden die Körperhaltung des Tieres und sein Verhalten,
bei Gruppentieren auch sein Sozialverhalten.Jede Veränderung
gegenüber dem Zustand vor dem schmerzhaften Vorgang
ist feststellenswert.
Verhaltensänderungen:
Ein häufiges Verhalten bei Schmerzen ist das Sich-Zurückziehen
der Tiere - wie z.B. eine Lichtscheue bei Kaninchen
- das Sich-Absondern von der Gruppe, Änderung der
Rangordnung, verminderte soziale wie motorische Aktivität,
aber auch geändertes Verhalten bis hin zur Aggression
kann Ausdruck von schmerzhaften Prozessen sein.
Die eigene Körperpflege der Tiere kann vernachlässigt
sein und zu sichtbar schlechterem Pflegezustand führen,
daher müssen besonders die Regionen der Körperöffnungen
genau in Augenschein genommen werden. Auch gesteigerte
Hinwendung der Tiere zu schmerzhaften Regionen - Hinschauen,
Belecken, Kratzen, Scheuern, bis zu massivem Vorgehen
wie Schlagen und Beißen der Region oder sich darauf
Niederwerfen - kann Schmerzen anzeigen.
Die Körperhaltung:
Die
Körperhaltung der Tiere ist in der Ruhe und in
der Bewegung zu beurteilen.
Immer kann man davon ausgehen, daß die Tiere
versuchen,schmerzhafte Regionen zu entlasten. Abnorme
Bauch- oder Seitenlage oder Vermeiden dieser Lagen werden
bei schmerzhaften Prozessen im Abdomen ebenso beobachtet
wie hundesitzige Stellungen mit oder ohne Anspannen
der Bauchdecken. Auch die Aufkrümmung der Wirbelsäule
ist ein wichtiges Indiz für Schmerz. Abnorme Haltung
des Thoraxes, als auch von Hals und Kopf können
auf hochgradige Atembeschwerden hindeuten. Schmerzhafte
Gliedmaßabschnitte werden in entlasteter Stellung
gehalten.Besonders zu beachten ist die Art und die Geschwindigkeit,
mit der sich die Tiere erheben. Auch chronische Schmerzzustände,
die ansonsten undeutlich sind, werden durch kurzfristige
aktue Schmerzschübe zu Beginn der Bewegung für
einige Momente für den Untersucher diagnostizierbar.
Anschließend werden alle Strukturen des aktiven
und passiven Bewegungsapparates während der Belastung
beobachtet.
Erst nach dieser ausgiebigen Beobachtungsphase sollte
sich der Untersucher dem Tier zu erkennen geben und
das Verhalten des Tieres bezüglich der hinzutretenden
Person auf abnorme Reaktionen untersuchen. Der nächste
Schritt der Untersuchung ist dann die manuelle Kontaktaufnahme
mit dem Tier. Zu prüfen ist, ob das Ergreifen des
Tieres oder das Palpieren bestimmter Körperregionen
dem Tier Schmerz verursacht. Ein Mißfallen kann
durch Abwehrreaktionen oder Laute geäußert
werden.
Futter- und Wasseraufnahme:
Über einen oder mehrere Tage ist das Verhalten
der Futter- und Wasseraufnahme
zu kontrollieren, soweit nicht schon beim Anschauen
des Tieres deutliche Anzeichen für eine verminderte
Futteraufnahme (eingefallene Flanken, Abmagerung) oder
Wasseraufnahme (Exsikose, Hautfaltenbildung, eingefallene
Augäpfel) vorhanden sind. Auch Veränderungen
der Kot- und Harnabgabeee hinsichtlich der absoluten
Menge, der Konsistenz und der Frequenz sind wichtig
festzustellen. Bei vermuteten chronischen Schmerzzuständen
ist die Kontrolle des Körpergewichtes (häufig
alleiniges Symptom!) unverzichtbar.
Änderung physiologischer
Parameter:
Körpertemperatur, Atemfrequenz und Atemtiefe sowie
Blutdruck und Herzfrequenz können als Folge von
Schmerzreaktionen verändert sein. Hinsichtlich
der Unsicherheit bei der Schmerzerkennung wird man schnell
verstehen, um wieviel problematischer
und unsicherer eine Schmerzquantifizierung beim Tier
ist. Schmerzerkennung und Quantifizierung setzen in
jedem Fall eine intensive Überwachung und Nachsorge
nach dem Experiment voraus. Diese wichtige Aufgabe kann
nur erfüllt werden, wenn fachkundiges Personal
im Bereich der Pflege (Versuchttierpfleger/in), der
technischen Assistenz und der Überwachung zur Verfügung
steht. Die Überwachung muß als eine ausschließlich
tierärztliche Tätigkeit angesehen werden,
denn nur der Tierarzt ist von seiner Ausbildung her
befähigt, eine sorgfältige klinische Untersuchung
am Tier vorzunehmen, die notwendig ist, wenn die Frage
nach Schmerzzuständen beantwortet werden soll.
Vermeidung von Schmerzzuständen
Eine Reduzierung der Schmerzbelastung muß schon
bei der Planung eines Experimentes gelingen, dies gilt
bezüglich der Methodenwahl und der technischen
Durchführung, als auch der Ausschöpfung von
Möglichkeiten der Schmerzprophylaxe und -therapie.
Während der Versuchsdurchführung muß
es dann gelingen, eine gewisse technische Perfektion
zu erlangen. In der Nachsorgephase sind die kurativen
tierärztlichen Fähigkeiten gefordert, Schmerz-
und Mangelzustände zu erkennen und zu lindern.
Als Leitline für unser Handeln sei Kitchell (1980)
zitiert: "Überbewertung der Unsicherheit des
Wissens über Schmerz beim Tier mit dem Ziel, die
Schmerzwahrnehmung in Frage zu stellen, ist logisch
wie empirisch unbegründet."

Studie - Fische spüren
doch Schmerz Entgegen der Ansicht früherer
Studien scheinen Fische ähnlich wie Menschen doch
Schmerz zu spüren. Wie eine aktuelle Untersuchung
beweist, besitzen sie die nötigen Rezeptoren und
zeigen bei künstlichen Schmerzreizen auch eindeutig
Verhaltensänderungen.
/Tierärztliche Vereinigung
für Tierschutz e.V./rk
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