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Energie durch Hunde

Hunde könnten haufenweise Energie liefern
San Francisco gewinnt Strom aus Tierkot.
Berliner Stadtreinigung prüft Pilotversuch.

Gerade haben die Berliner Ordnungsämter eine neue Kampagne gegen „Tretminen“ gestartet. Diskutiert wird über drastischere Strafen für Häufchen-Wiederholungstäter. Doch schon bald könnten die rund 150 000 Hauptstadt-Hunde zu wichtigen Rohstoff-Lieferanten werden. Die Stadtreinigung prüft gegenwärtig, ob sich ein Pilotprojekt aus den USA auf Berlin übertragen lässt.

Auch in San Francisco gibt es durch etwa 120 000 Vierbeiner ein Hundekot-Problem. Rund 6000 Tonnen „Haustier-Verdauungsrückstände“ fallen jährlich in der Stadt am Golden Gate an. Das sind nach offiziellen Angaben rund vier Prozent des gesamten Haushaltsmülls und entspricht fast dem Jahresvolumen an Babywindeln in der Stadt.

Doch im fernen Kalifornien geht man jetzt neue Wege.
Ehrgeiziges Umweltziel der Stadtverwaltung ist es, die Verbringung von Abfällen in Mülldeponien bis 2020 völlig zu stoppen und das Recycling drastisch auszubauen. Wenn sich ein Pilotversuch als erfolgreich erweist, könnten die „Tretminen“ schon bald beispielsweise die Energie für die Beleuchtung der berühmten Straßen von San Francisco liefern.

Voraussetzung ist allerdings, dass die Besitzer der Vierbeiner mitspielen. Das scheint der Fall zu sein, denn in den USA sind die Hundebesitzer wesentlich disziplinierter, was die Nutzung von Tüten zum Aufnehmen und Entsorgen der Häufchen betrifft. Offensichtlich gibt es dort aber auch keine Nachschubprobleme wie in Berlin, wo die entsprechenden Ausgabebehälter meist leer sind.

Im stark zum Gassigehen genutzten Duboce-Park wird das von der Stadt beauftragte Entsorgungsunternehmen Norcal Waste Systems jetzt Spender aufstellen, die spezielle, biologisch abbaubare Tüten enthalten. Dazu kommen neue Sammelbehälter für die gefüllten Kotpackungen. Die Häufchen werden in speziellen Biokonvertern durch Bazillen und Mikroorganismen in einem mehrwöchigen Prozess in Methangas umgewandelt. Damit können beispielsweise Gasheizungen, aber auch Turbinen zur Stromerzeugung betrieben werden. Das gleiche Verfahren wird auch zum Recycling von Essensresten genutzt.

Noch gibt es keine konkreten Angaben darüber, welche Menge an Energie zu welchem Preis aus den „Tretminen“ gewonnen werden kann.
Doch von der Grundidee könnte das kalifornische Beispiel auch ein Ansatz zur Lösung des Berliner Hundekot-Problems sein, wo die täglichen Häufchen nach Schätzung der Stadtreinigung aufgeschichtet sogar einen Berg von 55 Tonnen ergeben würden. „Wir kennen das Projekt aus San Francisco und prüfen gegenwärtig gemeinsam mit einem Institut der Humboldt-Universität, ob es sich auf Berliner Verhältnisse übertragen lässt und wirtschaftlich ist“, sagt BSR-Sprecher Bernd Müller. „Das müsste man durchrechnen“, meint auch die Abgeordnete Claudia Hämmerling (Bündnis 90/Grüne). „Ich finde, das ist eine gute Idee.“ Vorrangig seien aber zunächst verstärkte Kontrollen gegen die stadtweiten Tretminen.

Claudia Hämmerling könnte sich durchaus eine Vielzahl kleiner Auslaufgebiete vorstellen, wo die Häufchen dann nach dem amerikanischen Vorbild zur Verwertung eingesammelt werden. Für diese Aufgabe dürfe man allerdings keine Ein-Euro-Jobber verpflichten, meint die Abgeordnete. Rainer W. During

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