| Eine
Studie des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre
Anthropologie belegtwissenschaftlich, was Hundebesitzer
schon längst geahnt haben
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Hunde
verstehen mehr von dem, was Herrchen ihnen sagt,
als bisher angenommen. Hunde lernen
die Bedeutung unbekannter Wörter auf dieselbe
Weise wie Kleinkinder.
"Atomstrom" wie Loriots legendärer
Trickfilmhund kann Border-Collie Rico zwar nicht
sagen. Aber einen "Rotkohl" könnte
er nach Aufforderung auf Anhieb unter seinem Spielzeug
finden - obwohl er das Wort Rotkohl zum ersten
Mal hört.
Die Leipziger Forscher haben die erstaunlichen
Ergebnisse ihrer dreijährigen Arbeit mit
Rico im Fachjournal "Science" veröffentlicht.
"Man muss nicht sprechen können, um
viel zu verstehen“, resümiert Team-Leiterin
Julia Fischer und bescheinigt Rico zudem, dass
er sich die neu erlernten Worte auch über
längere Zeit merken kann.
Max-Planck-Studie
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"Diese kognitiven Fähigkeiten, die es einem
Tier erlauben, eine Vielzahl von Klängen und Geräuschen
richtig zu interpretieren, scheinen sich also unabhängig
und viel früher als die Fähigkeit zum Sprechen
entwickelt zu haben." In den Versuchen wurde dem
Border-Collie jeweils neben sieben bereits bekannten
Spielzeugen auch ein unbekanntes präsentiert. Die
Aufforderung lautete dann: "Rico, hol das ...“.
In sieben von zehn Fällen brachte Rico das richtige
Spielzeug - das entspricht in etwa der Trefferquote
eines dreijährigen Kindes. Auch nach mehreren Wochen
war Rico in der Lage, sich zu erinnern, obwohl der neue
Begriff zwischenzeitlich nicht mehr gebraucht worden
war.
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Der
Versuchshund "Rico"
Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre
Anthropologie haben an diesem Bordercollie nachgewiesen,
dass Hunde in der Lage sind, sich menschliche
Worte für Gegenstände in ihrer Umgebung
im Ausschlussverfahren zu erschließen. |
Bislang waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass
das so genannte "schnelle Zuordnen“, das
Erschließen von Gegenstands- Bezeichnungen durch
logisches Ableiten, eine rein menschliche Fähigkeit
sei. Doch Rico, der seine enorme Lern- und Spielfreude
bereits bei "Wetten, dass"unter Beweis stellte
und mittlerweile über 250 "menschliche"Vokabeln
kennt, belehrt die Zweifler eines besseren.
"Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob
Rico einfach ein genialer Hund ist“, sagte MPG-Forscherin
Juliane Kaminski. Erfahrungen von Blindenhund-Ausbildern
stünden dem aber entgegen. Auch diese Tiere zeigten
nämlich eine erstaunliche Fähigkeit, in abstrakten
Kategorien zu denken - etwa, wenn sie aufgefordert würden,
einen - wie auch immer gearteten - Sitzplatz zu finden.
"Hunde sind seit mindestens 15.000 Jahren domestiziert
und sehr gut in der Lage, kommunikative Signale des
Menschen zu deuten“, betont Kaminski. So seien,
anders als Wölfe oder Schimpansen, sogar sehr junge
oder auch wilde Hunde in der Lage, menschliche Zeichen
zu verstehen.
Davon kann Ricos Besitzerin, Susanne Baus, ein Lied
singen. Nach einer Schulteroperation mit neun Monaten
musste Rico, ein lauffreudiger Hütehund, ein Viertel
Jahr an der Leine gehen und notgedrungen im Haus beschäftigt
werden.
"Da hab ich einfach angefangen, ihm Spielzeuge
in der Wohnung zu verstecken und danach zu fragen. Am
Anfang waren es ein oder zwei, dann 20, heute sind es
252“, sagt sie und deutet auf mehrere überquellende
Kisten. Wenn es nach den Leipziger Forscherinnen ginge,
könnten das noch mehr werden, denn weitere Fragen
stehen an. "Jetzt wollen wir schauen, ob Rico auch
in der Lage ist, zwischen einzelnen Bestandteilen eines
Satzes zu unterscheiden“, berichtet Fischer. Auch
die Frage, ob Rico durch das besonders frühe und
kontinuierliche Training so gut lerne, sei offen.
Unterm Strich, so betonten die Forscherinnen, seien
ihre Erkenntnisse für viele Hundefans keine Sensation.
"Aber der Unterschied ist, dass sie bislang noch
nie für die Wissenschaft nutzbar gemacht wurden
und uns nun Einblicke in Evolutionsprozesse geben."Für
künftige Studien hoffen sie deshalb auch auf die
rege Mithilfe von Haltern anderer begabter Hunde.
/3sat/rk |