| Es bewegt
sich was in der deutschen Tierärzteschaft(Info
2008).
Die
Schutzdauer der Impfpräparate wurde nach amerikanischem
Vorbild auch hierzulande überprüft und konnte
neu festgelegt werden.
Nach der Grundimmunisierung in den ersten zwei Lebensjahren
brauchen die Pflichtimpfungen künftig nur noch
im dreijährigen Rhythmus wiederholt zu werden.
Zu den Pflichtimpfungen gehören in Deutschland
Staupe, Hepatitis, Parvovirose und Tollwut.
Die Grundimmunisierung
für Welpen und Junghunde besteht
in der Regel aus 1-2(3) Impfungen im Abstand von mehreren
Wochen. Dabei entspricht die erste Impfung dem ''Priming'',
die zweite der ''Booster-Impfung''. Durch die Grundimmunisierung
wird eine belastbare Immunität erzielt, die durch
regelmäßige Auffrischimpfungen erhalten werden
kann.Diese Immunisierung wird üblicherweise in
der 7.-8. Lebenswochen begonnen. Dabei wird gegen Staupe,
Parvovirose, Hepatitis und Leptospirose aktiv geimpft.Die
Grundimmunisierung erfolgt beim Züchter.
Wann sollten Sie Ihr
Tier nicht impfen lassen?
- bei Krankheit oder gerade ausgestandener Krankheit
- bei chronischen Erkrankungen
- in der Läufigkeit
- während der Trächtigkeit
- während der Welpenaufzucht
- im Zahnwechsel
- wenn bereits einmal Reaktionen auf eine Impfung
gezeigt wurden
"Deutscher Impfkodex"
sagt ade zur jährlichen Impferei (Info 2006)
Die Fachgruppe Kleintierpraxis des Bundesverbands Praktizierender
Tierärzte hat kürzlich den "Deutschen
Impfkodex für die Kleintierpraxis" veröffentlicht,
in dem man, in Anlehnung an die US-Impfrichtlinien für
Katzen und Hunde, von der jährlichen Impferei abrückt.
Es finden sich darin sogar kritische Worte zu einigen
Impfstoffen für Haustiere.
Wie mag es wohl zu diesem Impfkodex gekommen sein? Die
Veterinärprofessoren/innen aus Deutschland, der
Schweiz und den Niederlanden, die als Berater für
den Impfkodex aufgeführt sind, wissen natürlich
seit langem,daß die jährliche Impferei bei
den Katzen (Hunden) wissenschaftlich unhaltbar ist.
Dennoch hat es bis 2006 gedauert, bis sich hierzulande
auch endlich etwas geändert hat. (In den USA gibt
es neue Impfrichtlinien für Katzen seit Ende 1997,
für Hunde seit 2003.)
Die jährliche Impferei würde in Deutschland
wahrscheinlich weiterhin munter propagiert und praktiziert,
wenn sich nicht so viele Tierhalter/innen dagegen aufgelehnt
hätten. Vor allem durch das Internet hat es sich
auch hier herumgesprochen,daß die jährlichen
Nachimpfungen den Schutz nicht erhöhen und daß
sie die Tiere sogar schwer schädigen können.
Ein deutscher Tierarzt beschwerte sich schon vor Jahren
in einem Veterinärblatt über die "öden
Diskussionen", die er mit den Patientenbesitzern
über Impfungen führen müsse. Er war nicht
der einzige, der sich mit aufgeklärten Tierhaltern/innen
herumschlagen mußte. Viele Veterinäre waren
empört, daß die Tierhalter/innen auf einmal
selbst entscheiden wollten, wie oft und wogegen ihre
Tiere geimpft werden.
Teils
im Schulterschluß mit den Impfstoffherstellern
bemühten sich Tierarztverbände und die Bundestierärztekammer
jahrelang, die Kundschaft wieder gefügig zu machen:
Auf Pressekonferenzen, mit dem berüchtigten "Merkblatt
Impfungen" der Bundestierärztekammer und in
zig Artikeln in Tierzeitschriften und anderen Medien
versuchte man, der Kritik an der jährlichen Impferei
entgegenzutreten. (In einigen Veterinärzeitschriften
wurde die Autorin dieses Textes auch persönlich
attackiert.)
Es hat aber alles nichts
geholfen.
Gegen
die Wissenschaft sind selbst Tierarztverbände auf
die Dauer machtlos. Nach dem Motto "If you can't
beat them, join them" (Wenn wir sie nicht kleinkriegen,
laufen wir halt mit) hat man sich nun mit dem "Deutschen
Impfkodex" dem (faulen) Kompromiß aus den
USA angeschlossen. In den USA wird schon länger
empfohlen, Hauptimpfungen nur noch alle drei Jahre zu
geben (was immer noch willkürlich und zu oft ist)
und die Non-core-Impfungen jährlich.
Aufgeklärte Tierhalter/innen wissen aber, daß
auch dreijährliche Nachimpfungen gegen Virusinfektionen
wie Staupe oder Katzenseuche wissenschaftlich nicht
fundiert sind und daß diese Impfungen länger
schützen als dreimal 365 Tage. Man versucht mit
dem Drei-Jahres-Kompromiß, vom schönen Impfgeschäft
zu retten, was noch zu retten ist.
Einer der Berater für die Impfkodex-Gruppe hatte
schon 1999 in einem US-Fachbuch über Veterinärimpfungen
angemerkt, daß sich die routinemäßige
jährliche Verabreichung von Mehrfachimpfstoffen
eines Tages für den Berufsstand (der Tierärzte)
als verheerend erweisen könnte. ("It may be
devastating for the profession.") So schlimm ist
es nicht gekommen.
Doch eines hat die Impfdiskussion sicherlich auch in
Deutschland bewirkt: Viele Tierhalter/innen sind kritisch
geworden und geben die Verantwortung für die Gesundheit
ihrer Tiere nicht mehr an die Tierarztpraxis ab. |