Tiernahrungshersteller
kennen keine "Ekel-Bremse"
Der Autor und Journalist Hans-Ulrich Grimm erhebt in
seinem heute erscheinenden Buch "Katzen würden
Mäuse kaufen" schwere Vorwürfe gegen
die Hersteller von Tierfutter.
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Hans-Ulrich Grimm, geboren 1955, war von 1989
bis 1996 Redakteur des "Spiegel". Er lebt
als freier Autor und Herausgeber in Stuttgart.
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In der Branche versage
offenbar jegliche "Ekel-Bremse",
sagte Grimm am Dienstag im Deutschlandradio Kultur.
So würden immer wieder Schlachtabfälle und
verdorbenes Fleisch zu Tiermehl für das Futter
verarbeitet. Zu Gute komme den Herstellern dabei auch
das Entsorgungsproblem der Nahrungswirtschaft. Diese
produziere große Mengen an Fleischabfällen
und müsse sie irgendwie beseitigen: "Da bieten
sich eben die Tierfutter-Produzenten an, und die sind
dankbare Abnehmer für den Müll." In einem
bereits aufgedeckten Skandal hätten die Hersteller
sogar "jahrelang Klärschlamm zu Tierfutter
verarbeitet - einfach, weil es nicht verboten war".
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Hans-Ulrich
Grimm: Die Ernährungslüge.
Haben wir es nicht schon immer geahnt? Lebensmittelskandale,
Genfood, alle möglichen E-Zusätze. Dass
es da nicht mit rechten Dingen zugeht, ist so manch
einem klar. Die Zunahme der Allergien, rätselhafte
Befindlichkeitsstörungen und jetzt also geht
es an das bisschen Verstand, den uns die Lebensmittelindustrie
auch noch raubt.
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Grimm zufolge bediene sich die Industrie "allerlei
chemischer Tricks", um zu erreichen, dass die Tiere
das Futter akzeptieren. "Die werden systematisch
an der Nase herumgeführt, man trickst ihren Geschmackssinn
aus, und nur dadurch essen die das." Der Autor
wies daraufhin, dass dies längst nicht nur für
Tiernahrung gelte. Auch bei der Herstellung von Lebensmitteln
würden "unglaublich viele Geschmacksmanipulationen"
vorgenommen, "damit man das Zeug überhaupt
genießen kann, was aus den Fabriken so herauskommt".
Ferner beklagte der Autor die engen Verstrickungen
von Wissenschaftlern und der Tiernahrungsindustrie.
Im Zuge der Recherche sei es unmöglich gewesen,
unabhängige Forscher zu finden. Auch die meisten
Tiernahrungsstudien seien von der Industrie finanziert.
Zwar sei es ein legitimes Anliegen herauszufinden, welche
Art von Nahrung sich am besten für ein Tier eigne.
"Aber dann nur verschiedene Dosenfutter zu vergleichen
und die Natur völlig außen vor zu lassen,
das ist dann schon Industrieinteresse."
Die Verbraucherschutzorganisation
foodwatch kritisiert, dass die Behörden
in Deutschland im Gegensatz zu anderen EU-Ländern
bislang keine Informationen über die Rückrufaktion
und die mögliche Gefährdung veröffentlicht
hätten.Generell herrsche das Prinzip der Geheimhaltung
vor, sagte foodwatch-Sprecher Matthias Wolfschmidt
dem NDR.
http://foodwatch.de/
Briten werden umfassend
informiert
Gemäß europäischem Gesetz (VO 178/2002, Art. 17, 2)
sind die Mitgliedsstaaten für die "öffentliche(n) Bekanntgabe
von Informationen über die Sicherheit und Risiken von
Lebensmitteln und Futtermitteln" verantwortlich.
In Großbritannien veröffentlicht die zuständige Behörde,
die Food Standards Agency (FSA), Lebensmittelwarnungen
aktuell und ausführlich im Internet. Sie nennt die Namen
der Produkte und bildet Produktfotos ab, informiert
über eingeleitete Maßnahmen, veröffentlicht Stellungnahmen
der betroffenen Unternehmen sowie Rückrufnotizen von
Unternehmen. Selbst auf das Mobiltelefon kann man sich
die aktuellen Meldungen schicken lassen.
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