Herkunft
und Geschichtliches
Der Magyar Vizsla wurde Anfang der 20. Jahrhunderts
aus vorhandenen gelben Jagdhunden in Ungarn geschaffen.
Die Magyaren brachten diesen Hundetype aus ihrer asiatischen
Stammheimat mit, als sie im 9./10. Jahrhundert das Karpatenbecken
besiedelten. Auf 1000 Jahren alten Steinritzzeichnungen
ist jedenfalls dieser Hundetype zu erkennen. Die goldene
Farbe hat neben der Schönheit den Zweck einer Tarnfarbe
in den Steppen und Getreidefeldern. Die Vorfahren verschwanden
im 19. Jahrhundert immer mehr als Pointer, Setter und
Vorstehhunde in Mode kamen. Etwa um 1920 besann man
sich auf den alten Jagdhundtype und begann die Reste
zu registrieren. Am 29. Mai 1920 wurde die „Ungarische
Vizsla-Züchtervereinigung“ gegründet,
der den Hund unter ihre Fittiche nahm. Nach weiteren
Rückschlägen durch die Weltkriege gewann der
Hund immer mehr Liebhaber. Mittlerweile sind die Rassebestände
gesichert. In Deutschland fallen im Jahr ca. 150 Welpen
an. Den Magyar Vizsla gibt es in zwei Fellvarianten:
Kurzhaar und Drahthaar.
Beschreibung
Bei dieser sehr eleganten Hunderasse werden die Rüden
58-64 cm hoch, die Hündinnen 54-60 cm; der Körper
ist muskulös aber schmal. Da der drahthaarige Vizsla
erst ab den 30er Jahren des Letzten Jahrhunderts gezüchtet
wird, und er durch die Einkreuzung des Deutsch Drahthaar
entstand, sehen die maßgeblichen Zuchtverbände
die beiden Varianten als getrennte Rassen. Der FCI führt
den Visla also in zwei Rassen, die sich durch ihre Fellstruktur
unterscheiden:
Der kurzhaarige Magyar Vizsla kommt in allen Farbnuancen
von Semmelgelb bis Dunkelgold vor.
Den rauhaarigen Magyar Vizsla sieht man meist in verschiedenen
Sandgelbnuancen, so zum Beispiel rostbraunes Gold. Bei
dieser Variante ist ein kleiner Bart sowie ausgeprägte
Augenbrauen erwünscht. Das Fell fühlt sich
drahtig an, niemals weich oder fusselig.
Kleine (5 cm) weiße Abzeichen auf der Brust werden
bei beiden Felltypen akzeptiert. Geflecktes Fell ist
jedoch unerwünscht. Die Farbe der mittelgroßen
Augen ist an die Fellfarbe angepasst, normalerweise
nie stechend oder kalt. Auffallend helle Augen werden
jedoch, wie auch bei vielen anderen Jagdhunderassen
verpöhnt. Die Ohren sind tief angesetzt und hängen
dicht an den Wangen herunter und sind unten abgerundet.
Die Lefzen sind anliegend, niemals hängend. Kehllappen
(Wamme) sind unerwünscht. Die Rute wird waagerecht
getragen, das Kupieren ist unter der Maßgabe jagdlicher
Führung in Deutschland laut Tierschutzgesetz geduldet.
In den meisten Ländern der europäischen Union
ist das Kupieren ebenfalls geduldet. Da in Deutschland
durch die Monopolstellung des Verband für das Deutsche
Hundewesen der Vizsla zu 80% als Jagdgebrauchshund gezüchtet
wird, kann sich die allgemeine Gegenmeinung zum Kupieren
dieser Hunde in Deutschland nur schwer durchsetzen.
Wesen und Verwendung
Bei der Jagd wird der Magyar Vizsla ziemlich universell
eingesetzt, er ist ein hervorragender Schweißhund,
apportiert gerne mit weichem Maul, er vereint die Vorzüge
eines Windhundes: Ausdauer und Schnelligkeit mit Spur
und Fährtensicherheit. Er ist ausgesprochen lernwillig.
Seine Menschenfreundlichkeit, seine Sensibilität
und Anhänglichkeit verbietet die Zwingerhaltung.
Bei ausreichender Beschäftigung ist er durchaus
als Familienhund zu gebrauchen.
Der Magyar Vizsla ist ein sehr sensibler Hund, der
keine raue, harte, laute, grobe Behandlung in Erziehung,
Ausbildung und Haltung verträgt. Äußerst
ausgeprägt ist sein körperliches Kontaktbedürfnis,
er weicht seinem Führer buchstäblich „nicht
von der Seite“. Ein Vizsla muss und möchte
ausreichend und artgerecht beschäftigt werden.
Das ist zum einen die jagdliche Beschäftigung,
zum anderen durch vielfältige Möglichkeiten
im Hundesport (Fährtenarbeit, Rettungshundeausbildung,
Mantrainling, Agilität usw.). Seit 1995 wird der
Vizsla in Deutschland vermehrt als Therapiehund eingesetzt
(siehe hierzu auch: Tiere als Therapie). Der Magyar
Vizsla möchte nicht nur viel Auslauf und Bewegung
sondern ebenso eine „geistige Arbeit“ leisten.
Da der Vizsla sehr lernbegierig ist, macht die Arbeit
mit ihm sehr viel Freude. Eine Unterforderung des Magyar
Vizsla kann zu Zerstörungswut führen. Die
überdurchschnittliche Intelligenz des Magyar Vizsla
findet ihre Schattenseiten in Gefallssucht bis hin zur
Arroganz. Der Vizsla ist in der Lage, kommunikative
Machtspiele gegenüber seiner Familie auszuleben,
die niemals aggressiv sind, sich vielmehr in gelegentlichen
Schmollen, Ignoranz oder raffinierter Bettelei ausdrücken.
Außerdem ist er sehr verschmust und äußerst
liebesbedürftig. Jeder, der sich für einen
Magyar Vizsla interessiert, muss sich im klaren sein,
dass die artgerechte Haltung es erfodert, dass nahezu
die gesamte Freizeit dem Magyar Vizsla gehört.
Wer sich auf diese Art der Mensch-Hund-Partnerschaft
einlassen kann, bekommt im Magyar Vizsla einen wunderbaren
Gefährten.
Pflege
Die Fellpflege fällt relativ gering aus, das Fell
des kurzhaarigen Magyar Vizsla ist weitestgehend selbstreinigend.
Bei artgerechter Haltung erübrigt sich das Verschneiden
der Krallen. Bei den rauhaarigen Vertretern dieser Rasse
ist Trimmen hin und wieder notwendig.
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