| Von Dr. med.
vet. Franz Gutbrod
Die Osteochondrose ist
eine Erkrankung des heranwachsenden Hundes, bei der
aufgrund von Entwicklungsstörungen Knorpelablösungen
in Gelenken entstehen. Das Schultergelenk erkrankt am
häufigsten. Es können auch Ellbogen-, Knie-
und Sprunggelenk - selten andere - betroffen sein.
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Eine Osteochondrose
oder Osteochondrosis ist eine Störung der chondralen
Ossifikation, also der Umwandlung von Knorpel zu
Knochen als Teil des normalen Wachstumsprozesses.
Sie kann daher grundsätzlich an zwei Lokalisationen
auftreten:
1. Im Gelenk
2. In den Wachstumsfugen
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Um den Krankheitskomplex
verstehen zu können, muss man den
Ablauf des Knochenwachstums kennen. Knochen entstehen
in der Regel aus Knorpel, der verkalkt. Quer durch den
noch wachsenden Knochen verläuft eine Knorpelschicht,
an der das Längenwachstum stattfindet. Sie ist
für Blutgefäße unpassierbar. Längenwachstum
läuft auch im Gelenk ab, indem sich der Gelenkknorpel
in Knochen umwandelt.
An besonders belasteten Stellen im Gelenk können
bei dieser Verkalkung Störungen auftreten. Dabei
nimmt der Gelenkknorpel in seiner Dicke unregelmäßig
zu, die darunter liegende Knorpel-Knochenmasse degeneriert
und stirbt ab. Nimmt diese Entwicklungsstörung
ein größeres Ausmaß an, reißt
der Knorpel beim Springen oder schnellen Laufen ein.
Gelenkflüssigkeit dringt dabei in die Tiefe und
verhindert ein Wiederanheilen.
Stattdessen schwimmt die abgelöste Schuppe als
sogenannte freie Maus im Gelenk. Anfangs lassen sich
diese Knorpelverletzungen nur anhand indirekter Zeichen
auf dem Röntgenbild erkennen; erst später
werden sie durch eingelagerte Mineralien sichtbar. Je
nach Lage des freien Körperchens klemmt es sich
bei der Bewegung ein und verursacht zeitweise Schmerzen.
Von links nach rechts:
*gesundes Schultergelenk mit deutlich sichtbarer Wachstumsfuge
*Schultergelenk mit Osteochondrose am Oberarmkopf
*Schultergelenk mit freier Gelenksmaus
Als Ursachen für
diese Wachstumsstörung werden im wesentlichen drei
Gründe genannt:
- Überbelastung
- Durchblutungsstörungen
- und erbliche Neigung.
Um diese Thesen zu überprüfen, haben wir
40 klinische Fälle, die in unserer Klinik operiert
wurden, näher untersucht.
Vor allem großwüchsige Hunderassen sind
mit dieser Erkrankung belastet. Auffällig ist,
dass doppelt so viele Rüden wie Hündinnen
betroffen sind.
Raschwüchsige und für ihr Alter schwere Tiere
zeigen eine höhere Befallsrate.
Beim Schwein stellte man bereits in den Siebziger Jahren
fest, dass besonders raschwüchsige Tiere an nahezu
allen Gelenken erkranken. In der Schweinezucht wird
meist großer Wert auf rasches Wachstum und intensiven
Fleischansatz gelegt. Die Linien mit langsamem Wachstum
erkranken aber seltener. Hausschweine sind bekanntlich
durch die Boxenhaltung in ihrer Bewegung sehr eingeschränkt.
Wenn sie trotzdem an Osteochondrose leiden, so ist wohl
nicht die Bewegungsaktivität, sondern gerade die
rasche Gewichtszunahme für die Schäden am
wachsenden Gelenksknorpel verantwortlich.
Auch beim Hund ist die Frühreife und Schnellwüchsigkeit
eine Ursache für gehäuftes Auftreten der Osteochondrose.
Achten Sie deshalb bei
Ihrem Hund auf eine langsame Gewichtszunahme und versuchen
Sie, diese mit einer entsprechenden Fütterung unter
Kontrolle zu halten.
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