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Liebe Neu-Hundebesitzer.
Bitte seien Sie mit Ihrem Junghund von vornherein konsequenter.

Die ersten Junghundezähne blieben schon in Menschenhaut hängen
und „Beißattacken“ füllen die Zeitungen und verunsichern die Leser.

Der Artikel ist von
Elke Hufnagl -
Tierpsychologin
Tierpsychologin Elke Hufnagl

Im Laufe der Jahre machte ich die Erfahrung, dass viele Verhaltensstörungen (insbesondere die Bissigkeit) häufig durch falsches Handling entstanden sind. An dieser Stelle möchte ich nicht über „schlechtes Erbgut“, angstbedingte Schärfe (Angstbeißer) oder erblich bedingte übersteigerte Aggressionsbereitschaft usw. berichten… ebenfalls nicht über die klassischen Schutzhunderassen oder so genannte „Kampfhunde“ (die oft auch durch nicht vorhandene oder falsche Erziehung aus den Fugen geraten), sondern über „Mamas Liebling“, den sonst so braven Familienhund. Beißen, oder Knabbern, wie die Hundebesitzer es lieber nennen, kommt bei allen Rasse- oder Mischlingshunden vor. Die Besitzer der Hunde, meistens völlig unbedarfte Erstlingshundeführer, sind sich selten der Gefährlichkeit ihrer vierbeinigen Hausbewohner bewusst. „Mein Hund“ so die häufigste Aussage,“ ist eigentlich ganz lieb. Manchmal allerdings rastet er aus, zwickt mich oder knabbert an den Kindern.“ Nach längerem Nachfragen von meiner Seite stellt sich dann heraus dass dieses Zwicken oder Knabbern ein echtes Beißen war und die entstandenen Wunden ärztlich behandelt werden mussten. Häufig werden nicht nur Familienmitglieder, sondern auch fremde Kinder oder Nachbarn mehr oder weniger ernsthaft „beknabbert“. Die Besitzer dieser großen oder kleinen Hundchen betonen wiederholt dass ihr Goldstück sonst immer brav, treu und lieb sei… sicherlich war der Gebissene selber schuld. Bestimmt habe er eine Bewegung gemacht die dem Hund nicht passte, oder ihn noch angeschaut obwohl er schon knurrte. Knurren als Kampfansage seitens des Hundes wird häufig akzeptiert. Die Menschenfamilie versteht das Verhalten des Hundes nicht. Sie wissen nicht, dass sich auch der Hund in die Familie integrieren soll wie jedes andere „Familienmitglied“ auch. „Warum macht er das?“ fragen sie, „wir lieben ihn und machen alles, damit er sich wohl fühlt. Wir geben ihm alle Freiheiten die er möchte. Er darf tun und lassen was er will!“

Ja, genau das ist der Knackpunkt! Boss im Hause ist der Hund!

Dabei fing doch alles so harmlos an: Süß ist er, der neue Mitbewohner. Gerade mal acht Wochen alt, knuddelig und weich, fast wie ein Plüschhündchen. Und die kleinen Milchzähnchen; wie kräftig er damit schon zubeißen kann! Toll, er weiß ganz genau was er will. Mit 12 Wochen verteidigt das süße Wollknäuelhundchen vehement seine Futterschüssel, den geliebten Kauknochen oder sein Spielzeug. „Schaut mal – so klein noch, und schon sooo mutig! Die Familie maßregelt sich gegenseitig: „Lass den Hund in Ruhe, er will nun mal genau auf dem Sofa liegen. Setz dich doch einfach woanders hin. Ist doch Platz genug da!“ Auch in anderen Bereichen heißt es „ Hundchen an die Macht“. Frauchen: „Ich konnte nicht einmal die Hausarbeit schaffen, der Hund wollte unbedingt mit dem Ball spielen. Telefonieren ging auch nicht, er kläffte bis ich den Hörer auflegte. Beim Gassigehen wollte er nicht mit zurückkommen. Ich habe bestimmt vierzig Minuten gewartet bis er freiwillig mitkam…“

Solche doch recht abenteuerlichen Aussagen (die Liste ist sehr lang) habe ich schon oft von Hundebesitzern über ihre Dominanz-Wonneproppen gehört. So mancher Hund bestimmt nicht nur den Tagesablauf der gesamten Familie, er mag auch nur bestimmtes Futter an ganz bestimmten Tagen fressen: Montag Hähnchen vom Grill, Dienstag Tartar, Mittwoch evtl. Filetsteak usw. Golden-Rüde Herkules z.B. trinkt auch kein „normales“ Wasser. Es muss ein aus dem Ausland eingeflogenes stilles Mineralwasser sein.

Es verwundert mich nicht im Geringsten, wenn diese dominanten und dazu maßlos verwöhnten Schätzchen nach der Geschlechtsreife ihren Willen mit Hilfe ihres gut bestückten Gebisses durchsetzen; bzw. den Unwillen erst durch Knurren und dann durch Beißen äußern. Von frühester Jugend an waren diese Hunde unangefochten die absoluten Chefs des entsprechenden Familierudels. Sie hatten ihre Menschen voll im Griff. Wie kommen denn nun diese rangniederen Menschen dazu etwas von ihren Hunden verlangen zu wollen? Struppi darf nicht mehr aus Sofa nur weil da ein neues steht? Fiffi darf nicht mehr auf dem Tisch sitzen und vom Teller fressen nur weil er plötzlich viiiieeel größer ist? Boomer soll sich das Fell bürsten und Zecken entfernen lassen? Sparkie, jetzt 40 kg, darf nicht mehr an der Leine zerren? Wieso renkt sich Frauchen den Arm dabei aus? Sie muss doch nur mit ins Gebüsch Hasen jagen…Sparkie ist sowieso stärker!

Nein liebe Familie, da machen die Vierbeiner nicht mit! Vorher war das auch alles erlaubt! Gewohnheitsrecht sozusagen. Monatelang hat sich Wauzi die Herrschaft über das Menschenrudel erkämpft – Stück für Stück (Knabberglück!?). Nun soll er die Herrschaft wieder abtreten? Nie und nimmer!

Wieso soll er plötzlich gehorchen? Der Hund kann nicht nachfragen und seine Rechte aus- diskutieren. Er setzt seine Zähne ein.

Ist Ihr Hund auch schon so weit? Dann konditionieren Sie ihn langsam, Schritt für Schritt, mit Geduld, Ausdauer und Konsequenz wieder um. Stellen Sie die natürliche Rangfolge (der Zweibeiner ist der Chef!) her.

Liebe Neu-Hundebesitzer. Bitte seien Sie mit Ihrem Junghund von vornherein konsequenter. Lassen Sie nicht alle Unarten durchgehen. Hunde sind durchschnittlich im Alter von 9 Monaten geschlechtsreif (Rüde „hebt Bein“, Hündin wird „läufig“) und könnten selber Welpen zeugen die dann rund 63 Tage später zur Welt kämen. Sie sind körperlich erwachsen!!! Würden Sie einen Menschen ohne Erziehung, Schulbildung und moralische Wertvorstellungen 14 Jahre alt werden lassen und ihn dann plötzlich „maßregeln?“ Machen Sie das bitte auch nicht mit Ihrem Hund. Grundregeln sollte jeder Hund schon in seiner Jugend erfahren. Bedenken Sie: In jedem süßen, knuddeligen Familienhund steckt noch ein kleines Stückchen Wolf. Instinkte und Triebe beherrschen sein Leben. Hunde „denken“ wirklich anders als Menschen.

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