| Haustiere,
unsere Freunde und Helfer
Wenn etwas mit dem Liebling nicht in Ordnung ist, hängt
oft der Haussegen schief. Meerschwein, Hase, Hund oder
Katze, Vögel, Fische - die positive Wirkung auf
Jung oder Alt ist mittlerweile auch wissenschaftlich
belegt. In Deutschland gibt es seit den achtziger Jahren
verschiedene Studien zu diesem Thema. Dr. Reinhold Bergler
aus Köln, Psychologe, stellte schon damals fest:
Wer ein Haustier hat, lebt zufriedener, wird weniger
krank und braucht sogar weniger Medikamente.
Hunde verfügen
über ein gutes Sozialverhalten.
Weil sie ausgeführt werden müssen, trainieren
sie ihre Besitzer.Hunde stimmulieren Herz, Kreislauf
und Muskeln ihrer Halter. Außerdem fördern
Hunde soziale Kontakte.
Tiere als Medizin
Im 19. Jahrhundert wurden Tiere im Epileptiker-Zentrum
in Bethel bewußt eingesetzt - zur Beruhigung und
Beschäftigung der dort untergebrachten Patienten.
Seit etwa zwei Jahrzehnten wird die Beziehung Tier -
Mensch genau untersucht. Die unübersehbar positiven
Auswirkungen haben Verantwortliche von therapeutischen
und erzieherischen Einrichtungen bewogen, mehr mit Tieren
zusammen zu arbeiten. Das gilt vor allem für Amerika.
Ob Jugendheime, psychotherapeutische Einrichtungen,
Altenheime - Tiere übernehmen Aufgaben. Ihnen gelingt
allein durch Anwesenheit und ohne Worte, was Therapeuten
beispielsweise bei kontaktgestörten Kindern nicht
schaffen: Einen ersten Zugang zum Kind zu bekommen.
Aber eigentlich hat jeder
Mensch, der Tiere liebt, dies schon erlebt:
Beim Streicheln oder Beobachten eines Tieres sinkt der
Pulsschlag und Blutdruck. Der Streß legt sich,
die Gedanken werden ruhiger. Sorgen verlieren ihre Schwere.
Bergler stellte fest, daß depressive Stimmungen
bei Haustier-Haltern seltener vorkommen. Sie sind ausgeglichener
und geselliger. Hundebesitzer haben zudem den Vorteil,
daß ihre vierbeinigen Freunde sie zur Bewegung
zwingen. Beim Gassi gehen tun sie etwas für ihre
Gesundheit: Sie laufen an der frischen Luft und trainieren
dabei ihre Muskulatur. Auch Familien mit Kindern profitieren
von den Haustieren. Prof. Erhard Olbrich, Erlangen,
fand bei Untersuchungen heraus, daß Kinder bei
ihrem Tier Trost finden, wenn sie sich von den Eltern
unverstanden fühlen. Sie zeigen auch mehr Verantwortungsgefühl
und Einfühlungsvermögen, als Kinder, die ohne
Haustier aufwachsen. Als weiteren erzieherischen Effekt
nannt Olbrich, daß Kinder die Grenzen ihrer Lieblinge
respektieren lernen und erfahren, daß Tiere Lebewesen
mit eigenen Verhaltensweisen sind.
Ein Bericht über
Joschi, dem Therapiehund
Wie
ein Therapiehund in einem Seniorenheim wirkt, wird nun
mit Joschi gezeigt. Der goldfarbene Rietriver ist ein
ausgebildeter Therapiehund . Er geht mit seinem Frauchen
zu älteren Menschen, um Freude und Abwechslung
zu bringen: Wenn Joschi in Begleitung von Anke Port
in den Gemeinschaftsraum kommt, gleicht es einem Auftritt:
Als kleiner Star des Tages steht er da mit einem Körbchen
im Maul und wedelt heftig mit dem Schwanz. Die Reaktion
ist umwerfend. Mit lautem Hallo wird der Hund begrüßt:
"Da ist ja mein Freund Joschi!", ruft Herr
H. begeistert. Hände strecken sich nach ihm aus.
Von allen Seiten wird er gelockt. Jeder will einmal
über sein frisch gebürstetes blondes Fell
streicheln. Frau Port, die seit einem Jahr wöchentlich
einmal das Altersheim besucht, kennt alle. Die Anwesenden
werden per Handschlag begrüßt. Der Hund ist
immer zur Seite. Auch er scheint die einzelnen Bewohner
gut zu kennen. Frau M., die sich kürzlich beim
Sturz beide Hände brach, legt er vertraulich den
Kopf in den Schoß und läßt sich halten.
Herr B. verhält sich dem Hund gegenüber ängstlich.
Joschi spürt das und bleibt abwartend zurück.
So macht Frau Port ihre Runde. Beim Anblick Joschis,
fängt Frau G. plötzlich an zu weinen. Sie
ist erst seit kurzem im Altersheim und hat immer noch
nicht überwunden, daß sie ihren eigenen Hund
abgeben mußte. Frau Port nimmt sie tröstend
in den Arm. Die Mutter von erwachsenen Kindern macht
diese ehrenamtliche Arbeit gern. "Weil Joschi schon
immer besonders freundlich im Umgang mit Menschen war,
absolvierten wir gemeinsam eine Ausbildung und Prüfung",
erklärt sie. Am Wichtigsten ist ihr aber die Freude,
die sie mit ihrem Hund empfindet, weiterzuvermitteln.
Therapie-Ausbildung ist
nötig
Nach der Begrüßungsrunde wird ein gemeinsamer,
großer Kreis gebildet. Dann gibt Joschi eine kleine
Extra-Vorstellung. Aus dem kleinen Korb zaubert Frau
Port ein Halstuch, das Herr H. seinem Freund umbinden
darf. Dabei geht er nicht zimperlich mit dem Joschi
um.
Frau P. krault derweil das Fell des Hundes und erzählt,
daß sie früher auch immer Hunde hatte. Frau
D. hat den Schwanz des Hundes erwischt und zieht daran
herum, bis Frau Port freundlich aber bestimmt eingreift.
Als Therapie-Hund darf Joschi nicht nach der Hand schnappen,
die ihm weh tut. Er muß aufs Wort folgen. Mit
"Bleib!" fordert ihn sein Frauchen auf sitzenzubleiben.
Auch wenn die streichelnden Hände sehr ruppig mit
ihm umgehen. "Manche Menschen können ihre
rheuma-geplagten Hände eben nicht mehr anders bewegen",
sagt Frau Port. Sie hat häufig die Erfahrung gemacht,
daß Menschen sichtbar gerne in das weiche Fell
des Hundes zu greifen. "Das ist natürlich
viel schöner als die Gummikugel der Therapeutin
zu bearbeiten". Ihrer Meinung nach, würde
der Einsatz von Therapiehunden bei bestimmten Rehabilitations-
oder bewegungstherapeutischen Maßnahmen bei alten
Menschen gute Erfolge erzielen. Der Grund liegt nahe:
Bei dem Körperkontakt, Wärme und Nähe,
die ältere Menschen gerade im Alter vermissen,
vergessen die Meisten ihren Schmerz. Positive Erinnerungen
lassen Freude aufkommen und damit die Bereitschaft,
anders mit den körperlichen Einschränkungen
umzugehen.
Der Hund als Medizin
Michael Reiß, Heimleiter der Seniorenwohnanlage
gesellt sich einen Moment hinzu. Er ist froh, daß
die beiden wöchentlich kommen. "Es ist eine
schöne Abwechslung für unsere Bewohner",
sagt Reiß. Und nicht nur das. Er konnte beobachten,
wie z.B. eine neue Mitbewohnerin anfänglich völlig
zurückgezogen lebte. Sie wollte zu niemanden Kontakt
haben. Erst als der Therapiehund regelmäßig
kam, fing die Frau an, sich langsam wieder für
ihre Umgebung zu interessieren. "Eines Tages redete
sie nicht nur mit dem Hund, sondern auch mit uns",
erzählt Reiß. Er würde sich freuen,
wenn noch andere Therapiehunde ins Seniorenwohnheim
kommen könnten. Für den aufgeschlossenen Heimleiter
sind die weiteren Vorteile, die Haustiere mit sich bringen
können, schnell genannt: Tiere steigern das Wohlbefinden.
Menschen sind nicht mehr so allein, haben jemanden mit
dem sie sprechen können. Zudem haben die Menschen
eine Aufgabe. Die Verantwortung gibt wieder neuen Lebensmut.
"Diejenigen, die z.B. einen Vogel in ihrem Zimmer
halten, sind geselliger und meistens guter Laune",
sagt Reiß. Ein zwitschernder Vogel bringt oft
Lebensfreude zurück. Deswegen stehen in vielen
Räumen der Seniorenwohnanlage Vogelvolieren. Auch
das Aquarium im Gemeinschaftsraum sorgt für eine
entspannende Atmosphäre. Für Reiß ist
das Halten von Tieren im Wohnheim ein "Schritt
zur Normalität", wie er sagt. "80 Prozent
unserer Bewohner kommen vom Land und hatten immer Tiere".
Reiß hält auch den sogenannten 'Aschenputteleffekt'
für wichtig. Damit ist gemeint, "daß
es Tieren egal ist, ob sein Mensch zum x-ten Mal die
selbe Geschichte erzählt", sagt Reiß.
Ob krank oder altersverwirrt - Hund oder Katze schmiegen
sich trotzdem an ihren Menschen. Der Heimleiter begrüßt,
daß sich in den letzten Jahren etwas in den gesetzlichen
Bestimmungen für Heimtier-Haltung getan hat. "Früher
war es aus hygienischen Gründen grundsätzlich
verboten", sagt er. Während die Haltung von
Vögeln heute in den Zimmern gar kein Problem ist,
gibt es für alle 'Felltiere' bestimmte Auflagen.
"Weil manche Altenheim-Bewohner Tierhaar-Allergien
haben, dürfen Katzen nur im eigenen Wohnbereich
bleiben", betont Reiß. Auch Hunde sind erlaubt,
"und wenn die Angehörigen sich beispielsweise
mit an der Pflege des Tieres beteiligen, haben wir damit
kein Problem", so Reiß. Bleibt für ihn
nur zu hoffen, daß die bisherigen Bestimmungen
nicht wieder abgeschafft werden. Sondern im Gegenteil
mehr Möglichkeiten in gemeinnützigen und erzieherischen
Einrichtungen geschaffen werden - zum Wohl von Mensch
und Tier.
Nicht alle Haustiere
sind gleich. Sie sind genau wie Menschen
unterschiedlich im Wesen. Deswegen ist vor der Anschaffung
eines Tieres einiges zu berücksichtigen. Diese
Fragen sollten unbedingt bedacht und geklärt werden.
Habe ich genügend Zeit? Kann und will ich zusätzliche
Arbeit leisten? Wohin soll das Tier zur Urlaubszeit?
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