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 Fehler in der Welpenernaehrung: zu schnelles Wachstum !
   

Die häufigsten Fehler bei der Aufzucht von Welpen

1. zu hohe Aufzuchtintensität, d.h. zu schnelles Wachstum
2. unausgeglichene Mineralstoffversorgung (v.a. mit Kalzium und Phosphor)

Wachstumsgeschwindigkeit:
Der Hund ist einzigartig darin, dass er die grössten Gewichtsunterschiede von ausgewachsenen Lebewesen innerhalb einer einzelnen Spezies aufweist.

Das Geburtsgewicht von Welpen grosser Hunderassen ist wesentlich geringer als das Geburtsgewicht kleiner Hunderassen - zumindest im Verhältnis zu ihrem späteren Gewicht. So wiegt ein Welpe einer 60 kg schweren Rasse bei der Geburt nur rund 600 Gramm, also nur 1% des Körpergewichtes des ausgewachsenen Hundes. Dagegen wiegen die Welpen kleiner Rassen schon rund 4% ihres späteren Gewichts.
Aufgrund der breiten Variation im erwachsenen Körpergewicht, wachsen unterschiedliche Rassen auch unterschiedlich schnell und erreichen ihr jeweiliges Erwachsenengewicht zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Grösse Rassen brauchen länger als kleine Rassen, um ihr Endgewicht zu erreichen. Ein Dackel beispielsweise erreicht sein Erwachsenengewicht mit rund 9 Monaten, während z.B. Neufundländer es erst mit ca. 18 Monaten erreichen.

Wachstum kann durch die Ernährung beeinflusst werden

Die Wachstumsgeschwindigkeit (Zuwachs pro Tag) kann durch die zugeführte Energie, d.h. die FUTTERMENGE, bestimmt werden.

Bei ad-libitum-Fütterung (d.h. soviel Futter, wie der Hund möchte) erreichen Junghunde ihre genetisch vorgegebene Grösse früher als bei restriktiver (eingeschränkter) Energiezufuhr. Während das Längenwachstum der Knochen zunimmt, werden aber die für die Tragfähigkeit der Knochen entscheidenden Entwicklungsvorgänge nicht proportional beschleunigt, was zu den oben erwähnten Störungen in der Skelettentwicklung führen kann.

Eine Vielzahl von Untersuchungen über das Wachstum grosser Hunderassen haben gezeigt, dass das Ziel der Welpenfütterung nicht das Erreichen einer maximal möglichen Wachstumsrate sein sollte, sondern optimale Zuwachsleistungen erstrebenswert sind. Optimal bedeutet in diesem Zusammenhang, dass eine gleichmässige, störungsfreie Entwicklung aller beim Wachstumsprozess beteiligten Gewebearten gesichert ist. Zweifellos liegt das Optimum unterhalb der maximal zu erreichenden Zuwachsleistungen. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass solchermassen restriktiv gefütterte Welpen nur langsamer wachsen als Hunde mit ad-libitum-Fuetterung, aber nicht kleiner bleiben, sondern eben nur später ihr volles Erwachsenengewicht erreichen. Leider wird die Wachstumsgeschwindigkeit meistens erst ueberprüft, wenn es zu spät ist, nämlich wenn die Junghunde im Alter von 6 - 8 Monaten mit Lahmheiten und Skelettproblemen vorgestellt werden. Das Hauptproblem ist, dass die Welpen ja nicht zu dick werden (dann wäre eine rechtzeitige Erkennung ja einfach), sondern sie werden zu schnell zu schwer/gross, können aber dabei trotzdem schlank und sogar mager aussehen.

Die Energieversorgung des Welpen kann man letztendlich nur durch regelmässige Gewichtskontrollen und einen Vergleich mit Wachstumskurve der entsprechenden Rasse überprüfen. Es gibt zudem Bedarfszahlen für die Energie (und damit für die notwendige Futtermenge), die bekanntlich individuell stark schwanken können (Rasse, Sofakissen/Energiebündel, Erkrankungen, Haltung, Training usw. usw.). Man kann sich an den Zahlen orientieren, Feineinstellungen müssen dann individuell erfolgen (regelmässiges Wiegen und Vergleich mit Empfehlungen zur Gewichtsentwicklung).

Eine kurze Bemerkung zum Eiweissgehalt im Futter, da dies eine häufig gestellte Frage in der Ernährungssprechstunde ist: ein gesunder Welpe hat kein Problem mit einer Proteinversorgung, die oberhalb des Bedarfs liegt. Welpen wachsen von der Energie und nicht vom Eiweiss ! Wachstumsstörungen bei Welpen grosswüchsiger Rassen resultieren also NICHT aus einer Eiweissüberversorgung, sondern aus zu schnellem Wachstum (oder Mineralstoff Fehlversorgungen).

Die Wachstumsgeschwindigkeit wird durch die zugeführte Menge an Energie (Kalorien/Joule) beeinflusst. Die Zufuhr an Energie ist ganz einfach über die Futtermenge zu regulieren - wächst der Welpe zu schnell -> Futtermenge reduzieren!

Mineralstoffversorgung:

Es hat sich herumgesprochen: Junge Hunde brauchen Kalzium. Die entscheidende Frage aber ist wieviel, denn sowohl der Kalziummangel als auch eine erhebliche Überversorgung können bei wachsenden Hunden Skeletterkrankungen hervorrufen oder bestehende Dispositionen verschlechtern. Gerade grosswüchsige Hunderassen sind sehr empfindlich gegen Fehler bei der Kalziumversorgung, während kleinere so etwas eher verzeihen. Im folgenden sollen typische Rationen, die zu fehlerhaften Kalziumversorgung fuehren, beschrieben werden.

1. Kalziumüberversorgung:
Bei jungen Hunden grosswüchsiger Rassen wurde nachgewiesen, dass eine Überversorgung mit Kalzium zu verschiedenen Störungen des Skelettwachstums führen kann (u.a. Osteochondrose und Hueftgelenksdysplasie). Während des intensivsten Wachstums werden Überschüsse nicht - wie beim erwachsenen Hund - einfach wieder ausgeschieden, sondern sie führen zu Regulationsstörungen des Gleichgewichts zwischen Aufbau und Abbau des wachsenden Knochens.

Kalziumüberversorgung entsteht häufig, wenn zu einem Fertigfutter (Alleinfutter, Vollnahrung) zusätzlich kalziumreiche Mineralfutter gegeben werden. Alleinfutter oder Welpenfutter enthalten ausreichend Kalzium. Sofern das Futter ausschliesslich gefüttert wird und nicht noch grössere Mengen an Extras wie Fleisch oder Tischabfaelle usw. zur Deckung des Energiebedarfs herangezogen werden, sollte auf keinen Fall Futterkalk und auch kein zusätzliches Mineralfutter verabreicht werden. Zur Verdeutlichung einige Rechenbeispiele. Ein Welpe im Alter von 3 Monaten mit einem augenblicklichen Gewicht von 17 kg und einem zu erwartenden Endgewicht von 60 kg benötigt 8,8 g Kalzium pro Tag. Um den Bedarf an Energie zu decken, muss der Welpe 750 bis 800 g eines handelsüblichen kommerziellen Trockenfutters für Welpen aufnehmen. Solche Produkte enthalten in der Regel zwischen 1,2 und 1,6 g Kalzium pro 100 g. Die Kalziumaufnahme beträgt demnach mindestens 9 und höchstens 12,8 g, der Bedarf ist gedeckt. Wenn jetzt zwei Esslöffel Futterkalk zugelegt werden, so werden dadurch zusätzlich 16 g Kalzium verabreicht und die Gesamtaufnahme wird mehr als verdoppelt. Da Futterkalk nur Kalzium, aber keinen Phosphor enthält, wird zudem ein zuvor ausgeglichenes Kalzium-Phosphor-Verhältnis erheblich verschoben.

2. Kalziummangel
Bei hausgemachten Rationen ist Kalziummangel nicht selten. Alle Futtermittel, die keine Knochen enthalten, sind kalziumarm bzw. nicht ausreichend kalziumreich, um den Bedarf eines wachsenden Welpen einer Riesenrasse zu decken. Dies gilt auch für Milchprodukte. Natürlich muss eine selbstgekochte Ration ergänzt werden, es reicht aber nicht einfach irgendein Mineralfutter zu geben, sondern das verwendete Produkt muss genau das ergänzen, was in dieser Ration fehlt !

Also nochmals:
Das Mineralfutter muss zur Ration passen.
Es gibt kein "bestes" Mineralfutter für alle Rationen, es gibt immer nur zur jeweiligen Ration passende oder unpassende Mineralfutter. Um zu überprüfen, ob das Mineralfutter zur Ration passt, muss wenigstens überschlägig nachgerechnet werden. Werbeaussagen für Mineralfutter wie "Kalzium besonders gut bioverfügbar" müssen mit grosser Vorsicht betrachtet werden. Zum einen nutzt es gar nichts, wenn das Kalzium besonders gut verfügbar ist, wenn zuwenig davon im Produkt drin ist, zum anderen sind die meisten Kalziumverbindungen wie z. B. Futterkalk, Kalziumphosphat oder auch Knochenmehl bei jungen Hunden recht gut verfügbar.

Eine andere Variante der Kalziumunterversorgung ist die Ergäzung von Fertigfuttern mit kalziumarmen Zulagen, z.B. mit Fleisch, Magerquark oder "Dinstelöl für den Fellglanz" usw. Solange es sich dabei nur um eine Ergänzung mit geringem Energiegehalt handelt, spielt das keine Rolle. Aber viele kleine und grössere Extras summieren sich! Der Welpe erhält dann einen erheblichen Teil seines Energiebedarfs aus kalziumarmen Extras. Er frisst entsprechend weniger Fertigfutter. Gerade wenn der Kalziumgehalt der Fertigfutter sehr genau auf den Bedarf abgestimmt ist, kommt es beim Verschneiden mit kalziumarmen Ergänzungen schnell zur Unterversorgung mit Kalzium, eben weil es genau stimmen wuerde, wenn der Hund nur Fertigfutter fressen würde.

Welche Möglichkeiten gibt es nun für den Hundehalter, solchen Fehlern vorzubeugen?
Zunächst sollte man sich genau überlegen, was der Hund alles erhält. Dabei zählt alles, was der Hund frisst, auch Kräuterpulver und ähnliches. Am besten man schreibt einige Tage lang alles auf, was man dem Hund gibt. Anschliessend kann man die Grössenordnung der Kalzium- und Phosphoraufnahme selbst nachrechnen, oder eine Rationsberechnung durchführen lassen. Es gibt bereits Tierärzte, die sich entsprechend fortgebildet und spezialisiert haben, und selbstverständlich bieten auch einige veterinärmedizinische Bildungsstätten diesen Service an.


Die andere Möglichkeit ist, ausschliesslich Fertignahrung zu verfüttern.
Man kann entweder ein Alleinfutter oder besser noch ein gutes Welpenfutter verwenden.
/Royal Canin/RK

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