
Warum lassen so viele
Hundehalter ihre Kleinen nicht selbst laufen?
Ein Zitat:"Noch schlimmer finde ich dieses ewige
Hochreissen der kleinen Hunde, sobald ein anderer Hund
entgegenkommt - so bringen sich die Leuts selbst in
Gefahr und wundern sich, wenn sie angesprungen werden"
Kleine Hunde sind auch Hunde ... mit allen Instinkten
und Bedürfnissen, die große Hunde haben.
Haben kleine Hunde Angst
vor grossen Hunden?
Warum wird oftmals angenommen,
dass kleine Hunde sich vor grossen fürchten?
Dass so eine aggressive,
eine Anti-Haltung der Kleinhunde grossen Hunden gegenüber
einstudiert wird, liegt auf der Hand.
Viele Halter kleiner Hunde nehmen ihre Kleinhunde im
Hinblick auf eine Begegnung mit einem grossen Hund vorsichtshalber
auf den Arm, an die Leine, zerren sie vom möglichen
und meist durchaus friedvollen Kontakt mit grösseren
Hunden weg. Es wird den Kleinhunden die Möglichkeit
genommen, sich mit grossen Hunden kontrolliert auseinanderzusetzen.
Wieso eigentlich?
Klar sind nicht alle grossen Hunde gut sozialisiert
genausowenig wie alle kleinen es sind. Aber ist den
Kleinhundehaltern mal folgender Gedanke gekommen?
Alle Hunde, genauer jeder Hund hat seinen Lebensweg
als kleiner Hund angefangen. Wenn eine sagen wir mal
70 kg schwere und entsprechend grosse Hundemutter wirft,
sind ihre Welpen im Vergleich winzig, oft sind Welpen
gerade mal so lang wie die Schnauze der Hundemutter.
Selbst eine Spanielmutter wirkt gross im Vergleich zu
ihren Welpen.
Die Tatsache, dass sich die Augen der Welpen erst mit
zwei Wochen öffnen, sie erst allerdings erst deutlich
später einen Focus erreichen können, um ihre
Umwelt ganz bewusst kennenzulernen und einzuschätzen,
tut nichts zur Sache, dass die Welpen vom Moment der
Geburt an ganz selbstverständlich und vertrauensvoll
auf dem Weg zur Milch über ihre riesige Mutter
krabbeln, über Füsse und Beine, die lang oder
kurz, haarig oder glatt sein mögen, sich ggf. unter
Riesenhängeohren durchwurschteln müssen, über
einen Baumstamm von Rute klimmen oder Rutschpartien,
Handstände und absonderlichste Akrobatiken auf
dem oder um den Mutterleib herum vollbringen.
Da kommt die Hundemutter mit ihrer überdimensional
grossen Schnauze, der riesengrossen Nase und einer Zunge,
die einen Welpen ruckzuck in ein Stück Sushi verwandeln
kann, schiebt sich recht unsanft unter den Bauch des
Welpen, um ihn zu säubern, ohne dass der Welpe
sich dagegen wehren will oder wird. Der Welpe saugt
sich an einer Brustwarze fest, an der er fast erstickt
und die er nicht so schnell wieder aufgibt. Ein Welpe
kuschelt sich zwischen die Vorderläufe an eine
Brust, die Platz für mehrere seiner Geschwister
bietet … und all das völlig ohne Angst.
Wieso wird also angenommen,
dass "kleine" Hunde sich vor "grossen"
Hunden fürchten sollen? Wenn nun
Welpen mit ihrer riesigen Mutter aufwachsen, entwickeln
sie ab irgendwann ein Bewusstsein, dass diese riesige
Mutter ein All-in-one Aspekt in ihrem Leben ist. Nahrung.
Wärme. Schutz. Hygiene. Ohne diese vier Komponenten
ist ein Welpe ausserhalb seines Wurfes nicht überlebensfähig.
Er sucht die Nähe der Riesin um zu überleben.
Sobald die Welpen mobiler werden, klettern sie auf der
Mutter herum, sie dürfen sich spielerisch in Ohren,
Nackenfell, Rute verbeissen und erste Lernkontakte knüpfen.
Die Nahrungs- und Schutzrolle entwickelt sich weiter
in die des Spielkameraden, Lehrers, Klettergerüst
… und mittlerweilen zum Leidwesen des Welpen in
die Waschmaschine.
Glücklich die Welpen, die mit anderen Hunden aufwachsen
dürfen selbst nur wenige Wochen ältere Welpen
als sie sind "riesig". Die älteren Welpen
gehen weniger feinmotorisch mit den Kleinwelpen um als
Erwachsene, sie hauen drauf. Ziehen fest. Schmeissen
um. Welpen sind so gelenkig, dass sie dieses Händling
in der Regel ohne Blessuren überstehen. Sie nehmen
diese Art der Behandlung nicht krumm. Sie fürchten
sich nicht vor den groben Spielen der "grossen
Hunde". Sie lernen durch "grosse Hunde",
wie hund sich als Kleinteil zu benehmen hat. Sie lernen,
dass sie durchaus auch austeilen dürfen, wo es
die Manier gebietet und dass auch "grosse Hunde"
nach denselben Regeln leben wie sie und diese akzeptieren.
Wird dieses "Fürchten
vor dem grossen Hund" ggf. sogar in sogenannten
Welpenspielgruppen gefördert? Ich
kann diese Frage nicht beantworten, weil ich noch nie
an einer Welpenspielgruppe teilgenommen habe. Mir ist
bekannt, dass Welpen etwa gleichen Alters dort "sozialisiert"
werden - mit gleichaltrigen Welpen wohlgemerkt. Gross
das Entsetzen, wenn ich meinen neuen Welpenfamilien
empfehle, mit den jungen Hunden direkt in eine Junghundegruppe
zu gehen. Welpensozialisation haben unsere Welpen mit
14-16 Wochen lange hinter sich. Ebenfalls sind sie es
gewohnt, von erwachsenen Hunden entsprechend behandelt
zu werden.
Ich stelle mir gerade vor, wie ein Welpe, der den "geordneten"
Weg von der Hundemutter mit sagen wir 8-10 Wochen geht,
oft auf Empfehlung erst mal wegen der Impfungen "nicht
raus darf" bzw. keine Hundekontakte hat und dann
als einzige Kontakte nur gleichaltrige Hunde kennenlernt,
es durchaus "verlernen" kann, grossen Hunden
sozial und kompetent zu begegnen.
Der Welpe signalisiert diese Unsicherheit seinem vielleicht
genauso unsicherem Menschen der entsprechend unsicher
reagiert und seinen "kleinen Hund" vor dem
"grossen Hund" beschützen will.
/hundezeitung/rk
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